Dienstag, 25. Juni 2013



Zur Zeit fasziniert mich alles rund um das Thema "urban gardening" - ob die "City Farm" in Schönbrunn, bei der Dank der Initiative von Wolfgang Palme  Stadtkindern die Liebe zum Garten und zum Gemüse (und in der Folge auch zum gesunden Essen) vermittelt wird, oder ein spannendes Projekt in Berlin: „Prinzessinnengärten“, ein mobiles Nutzgartenprojekt, das auf einer Brachfläche mitten in Berlin (Moritzplatz in Kreuzberg) entstanden ist. Das Buch zu diesem Projekt habe ich schon vor längerer Zeit verschlungen und endlich hatte ich letztes Wochenende die Gelegenheit, es in natura zu sehen.

Zuerst war ich fast ein wenig entsetzt, denn der erste Eindruck war doch ziemlich chaotisch. Aber dann, bei näherer Betrachtung, war ich fasziniert, mit welcher Liebe zum Detail der Garten angelegt war, wie liebevoll die Tomatenhäuser errichtet wurden, alles improvisiert, selbst gebaut und mit einer eigenen Ästethik, die sich einem nicht auf den ersten Blick erschliesst.

Gleichzeitig fand ein Flohmarkt auf dem Areal statt, sodass man sich den Weg zu den Pflanzen erst erarbeiten musste.

Die Erdäpfelvielfalt hat mich begeistert, angebaut in Säcken und zu jeder Sorte gab es ein Pflanzenporträt, witzig und originell geschrieben, mit Fotos und unglaublich detailliert. Die Gewürz-, Heil- und Färbekräuter sowie Gemüse waren in Plastikkisten gepflanzt, mit Schläuchen für die Bewässerung. Ich hatte plötzlich ein anderes Bild von einem Hochbeet. Viele Tomatensorten, Baumspinat, Melde und Broad Beans habe ich gesehen, aber es war soviel los, dass ich sicher nicht alles mitbekommen habe.





Ein Teil des Geländes war abgezäunt für den Verkauf von Jungpflanzen. Einen Bücherstand, betreut von Behinderten, gab es, bei dem auf einer Tafel aufgelistet war, was es gerade zu ernten gibt. Rund um eine mobile Kaffeebude in einem alten Baucontainer saßen die Besucher in einem kleinen Scheinakazienwäldchen.




Das Projekt wurde im Sommer 2009 gestartet und hatte Gemeinschaftsgärten in Kuba als Vorbild. Das Projekt  "Prinzessinnengärten" bringt die unterschiedlichen Kulturen und Generationen zusammen. Es gibt Arbeitstage, an denen man mitarbeiten kann, viele Vorträge, Workshops und künstlerische Projekte helfen mit, den Bezug zum Boden, den Pflanzen, der Natur - auch mitten in der Stadt - zu ermöglichen. Das Projekt findet großen Anklang und viele Nachahmer weltweit. Alle Initiativen und das Cafe sind aber auch gleichzeitig Möglichkeit, wiederum Geld zu verdienen und das Projekt und auch die Betreiber zu erhalten.




Ich glaube, dass Menschen die selber anbauen, auch ihr Ernährungsverhalten verändern und bewusster essen, denn wenn man weiß, wie viel Arbeit in der Produktion steckt, steigert das die Wertschätzung.

Seit geraumer Zeit haben wir neben unserem Nutzgarten auch drei Hühner und ein "selbst-gelegtes" Ei ist für mich derzeit noch Gold wert, zumal die drei erst 7 Stück gelegt haben.

Zurück zu Berlin: ich hatte kurz zuvor von einer Stadtführung namens „eat the world“ gelesen, bei der man einen einzelnen Bezirk genauer erkundet und in sieben Lokalen kleine Kostproben bekommt. Ich stehe zwar nicht so darauf, in Gruppen herum zu marschieren, aber ich war neugierig, weil ich das grundsätzlich für eine gute Idee halte. Unsere junge Reiseführerin, selbst  Kreuzbergerin,  hat uns durch ihren Bezirk geführt und viel Interessantes erzählt. Die Kostproben waren multi-kulti (wie Kreuzberg halt ist) und gut, aber die G’schichten haben mir am besten gefallen. Es hat zudem schon Flair,   wenn bei einer Kreuzung junge Leute einfach ein Badminton-Turnier   veranstalten - mit Kreide wurde der Boden markiert und jeder Autofahrer hat das akzeptiert. Auch die Radfahrer und Fußgänger haben in Berlin ein entspanntes Verhältnis zu einander und beide Platz (nicht nur in Kreuzberg).

Multikulti, jung, kreativ, grün und entspannt - das war mein Eindruck von Berlin. Aja: essen kann man auch gut.

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